
Unser Lunchgast im Juli, Reto Vogt, ist IT-Journalist, Studienleiter Journalismus am MAZ sowie ehemaliger Chefredaktor von Inside IT.
Wo bist du im Alltag digitaler unterwegs als die meisten?
Ich weiss gar nicht, ob ich digitaler unterwegs bin als die meisten. Als Journalist gehöre ich sowieso eher zu den kritischeren Menschen und finde neue Technologien selten von Anfang an grossartig oder vorbehaltlos toll. Mir ist es wichtig, zuerst zu verstehen, wie neue Technologien funktionieren, welche Chancen sie bieten aber auch welche Risken sie mit sich bringen.
Welche Digitalisierungsprojekte setzt du derzeit beim MAZ um?
Nach aussen rede ich viel über die Auswirkungen von KI auf Medien, Kommunikation und Gesellschaft. Nach innen beschäftigen wir uns mit derselben Frage ganz praktisch: Wie setzen wir KI am MAZ sinnvoll ein, ohne Datenschutz, Transparenz und Qualität zu vernachlässigen? Aktuell führen wir dazu eine vertrauenswürdige KI-Lösung für unsere Mitarbeitenden ein.
Wo sind für dich die grössten Chancen der Digitalisierung?
Im Journalismus eröffnet KI die Chance, mehr Zeit für die eigentlichen Kernaufgaben zu gewinnen: Recherche, Einordnung, kritisches Hinterfragen und Gespräche mit interessanten Menschen. Weil Vertrauen aber die zentrale Währung im Journalismus bleibt, ist diese Chance gleichzeitig eine Herausforderung – wer KI einsetzt, muss das transparent tun und sich der Risiken bewusst sein.
Was sind die grössten Herausforderungen – und was braucht es, um sie zu meistern?
Eine der grössten Herausforderungen ist die Unterscheidung zwischen echten und manipulierten Inhalten. Bilder, Videos und Audios lassen sich heute in einer Qualität erzeugen, die noch vor wenigen Jahren undenkbar war. Das ist ein gesellschaftliches Problem. Was es braucht: Medienkompetenz als Fundament in Schulen, bei Eltern und Lehrpersonen. Und Regulierung, die Plattformen in die Pflicht nimmt.
Für welche Angebote wünschst du dir dringend eine digitale Lösung?
Eine souveräne Schweizer KI, finanziert vom Staat und trainiert auf Daten des Landesmuseums, der Nationalbibliothek und der Schweizerischen Mediendatenbank. Eine KI, die nicht in amerikanischen oder chinesischen Rechenzentren liegt, sondern auf Schweizer Werten, Schweizer Geschichte und Schweizer Quellen basiert. Das wäre ein echter Beitrag zur digitalen Souveränität und ein Projekt, das diesen Namen verdient.