
Alexander Mertes forscht an der ZHAW zu Open-Source-Software und ist unser Lunchgast im Mai 2026. Wir haben ihm fünf Fragen zu seinem digitalen Verhalten und den Digitalisierungsprojekten in seinem Bereich gestellt.
Wo bist du im Alltag digitaler unterwegs als die meisten?
Ich bin bewusst nicht überdurchschnittlich digital unterwegs. Ich merke bei mir, dass ich relativ stark in Strukturen und Systemen denke. Digitalisierung ist für mich weniger Technologie, sondern die Frage: Wie kann ich Dienste klarer, einfacher und nachvollziehbarer machen? Im Alltag heisst das, dass ich vieles bewusst digital organisiere – aber auch versuche, nicht alles zu digitalisieren, nur weil es möglich ist.
An welchen Digitalisierungsprojekten arbeitet eure Fachstelle derzeit? Was sind die Herausforderungen?
Wir beschäftigen uns stark mit der Frage, wie die Verwaltung datenbasierter und wirkungsorientierter gesteuert werden kann – also wie man digitale Technologien nicht nur einführt, sondern tatsächlich für bessere Entscheidungen nutzt. Beispielsweise Bewertung von IT-Vorhaben nach Ihrem Public Value (App-Entwicklung). Ein weiteres Projekt kümmert sich um die Gestaltung von Communities im Kontext von OSS im öffentlichen Sektor (Studie). Diese Themen sind zunächst komplex und im Kontext des Verwaltungsalltags nicht selbstverständlich.
Für welche Angebote wünschst du dir eine digitale Lösung?
Ich wünsche mir vor allem konsequent durchdachte, durchgängige Lösungen. Konkret die eEinbürgerung.
Spannend finde ich auch die Idee von proaktiven Leistungen – also dass Verwaltung nicht nur reagiert, sondern auf Basis von Daten frühzeitig unterstützt.
Welche Risiken der Digitalisierung bereiten dir Sorgen?
Ein Punkt ist für mich die Abhängigkeit von Technologien und Plattformen, die wir nur begrenzt verstehen oder kontrollieren. Für Nutzer:innen ist es schwierig, sich ein objektives Bild von den Chancen und Risiken von Technologien zu machen. Zudem werden wir stark von Medien beeinflusst, die teilweise kulturell geprägt sind.
Welche digitalen Trends empfindest du als über- bzw. unterbewertet?
Ich habe manchmal den Eindruck, dass einzelne Technologien – aktuell vor allem KI – sehr stark im Fokus stehen, während die organisatorischen und rechtlichen Auswirkungen etwas unterschätzt werden. Unterbewertet sind für mich Themen wie Datenqualität, Governance oder Souveränität. Das sind keine spektakulären Themen, aber dort entscheidet sich, ob Digitalisierung tatsächlich Wirkung entfaltet oder nicht.