
Stefan Gruner ist Dienstchef Cyberermittlungen bei der Kantonspolizei Zürich. Wir haben unserem Lunchgast im August 2026 fünf Fragen zu seinem digitalen Verhalten und dem Einfluss der Digitalisierung und KI auf seine Arbeit gestellt.
Starten wir mit einer Selbsteinschätzung zu deinem eigenen digitalen Verhalten. Wo bist du im Alltag digitaler unterwegs als die meisten?
Ich nehme generell die Herausforderungen der Digitalisierung an und versuche daraus die Vorteile zu extrahieren. Mein Alltag gestaltet sich grundsätzlich sehr digital, jedoch immer mit einem wachsamen Bewusstsein, dass auch etwas schief laufen könnte.
Welche Themen im Zusammenhang mit der Digitalisierung beschäftigen dich als Dienstchef Cyberermittlungen bei der Kantonspolizei?
Die Zunahme der Datenmengen innerhalb unserer Gesellschaft hat einen direkten Einfluss auf unsere Polizeiarbeit. Alle Daten, die produziert werden, müssen in einem Ereignisfall verarbeitet werden können. Dies ist eine Herausforderung, was innovative Lösungen verlangt. Ich bin u.a. verantwortlich für Ermittlungen im Bereich High-Tech Crime wie bspw. Ransomware-Angriffe. Die Vernetzungen von Unternehmen in Zusammenhang mit Lieferketten und anderen Abhängigkeiten erhöhen die Vulnerabilität, wenn die erforderlichen Schutzmassnahem nicht getroffen werden.
Wo sind für dich die grössten Chancen der Digitalisierung/KI?
Mit innovativen Lösungsansätzen erhöhen sich unsere Möglichkeiten, den Gefahren von Cybercrime habhaft zu werden. Gewisse Cyberkriminelle sind auf dem aktuellen Stand der Technik und setzen Mittel ein, ohne sich an Regulatorien halten müssen. Auch wir sind auf dem aktuellen Stand der Technik, haben jedoch rechtliche Vorgaben, die Cyberkriminelle nicht haben. Diesen Unterschied müssen wir ausgleichen, indem wir stetig neue Lösungsansätze suchen und diese auch finden.
Was sind deines Erachtens die grössten Herausforderungen im Zusammenhang mit der Digitalisierung/KI und was benötigt es, dass wir diese meistern können?
Die Skalierbarkeit wird sehr schnell wachsen. Einzelne Module für einen Cyberangriff können mit Hilfe von KI viel einfacher und effizienter hergestellt werden. Im Bereich High-Tech Crime braucht es immer noch das Zusammenspiel von mehreren Komponenten. Diese müssen orchestriert werden. Hier wird die KI Fortschritte machen. Auch unsere Skalierbarkeit wird sich erhöhen. Es ist eine Art wettrüsten. Setzt die Täterschaft auf eine Technologie, müssen wir darauf vorbereitet sein und in gleichem Masse reagieren können.
Für welche Angebote wünschst du dir (dringend) eine digitale Lösung?
Wir arbeiten an verschiedenen Projekten, um stets innovative Lösungen für unsere Arbeit zu finden. Welche das sind, kann aus ermittlungstaktischen Gründen nicht erwähnt werden. Wir werden immer neue Wege finden, um die Bevölkerung im Kanton Zürich im digitalen Raum bestmöglich zu schützen.