Fünf Fragen an Aleksandar Toskovic

Nov 23, 2025
Fünf Fragen an Aleksandar Toskovic

Aleksandar Toskovic, IT-Projektleiter bei Migros Online, ist unser Lunchgast im Dezember 2025. Wir haben ihm fünf Fragen zu seinem digitalen Verhalten und den Digitalisierungsprojekten in seinem Bereich gestellt.  

Starten wir mit einer Selbsteinschätzung zu deinem eigenen digitalen Verhalten. Wo bist du im Alltag digitaler unterwegs als die meisten?

Ich versuche möglichst alles digital zu lösen. Von der Einkaufsliste in der MigrosApp bis zur Rechnung im E-Banking. Ohne Handy hätte ich keinen Plan wie meinTag aussehen würde. Aber es ist auch nicht alles digital: während Meetings erfasse ich meine Notizen immer noch am liebsten von Hand auf Papier.

Welche Digitalisierungsprojekte setzt du derzeit in deinem Bereich bei Migros Online um?

Ich bin Teil eines kleinen Teams, welches für den Bau neuer Verteilzentren zuständig ist. In diesem Team verantworte ich die IT-Lösungen. E-Commerce Food ist für uns die Champions-League im E-Commerce: verschiedene Temperaturzonen, kleine Bestellmengen eines Artikels oder Anforderungen an die Last-MileDelivery sind einige Beispiele, die ohne den Einsatz von leistungsfähigenIT-Lösungen kaum konkurrenzfähig zu bewältigen sind.

Die neuen Lager weisen einen massiv höheren Automatisierungsgrad aus, als die bestehenden. Von «Person-To-Goods» wechseln wir auf «Goods-To-Person» und lassen die Ware im Lager «laufen». So schaffen wir bessere Arbeitsbedingungen und erhöhen die Effizienz in einem. Zudem arbeiten wir an smarten Algorithmen, um die Packbilder der Versandbehälter zu optimieren oder das Slotting (optimalePositionierung der Artikel im Lager) zu verbessern. Bei der Last Mile haben wir ein Pilotprojekt abgeschlossen, um die Auslieferung der Versandbehälter mitRobotern zu prüfen. Bei der Zuweisung der LKW-Rampen setzen wir auf Tools, bei denen sich die Transportunternehmer ihren Zeitslot individuell buchen können.So glätten wir über den Tag die Auslastung der Rampen und reduzieren Wartezeiten für die Chauffeur:innen.

Anhand dieser Beispiele sieht man, dass der Innovationsdrang im Detailhandel besonders hoch ist.

Wo sind die grössten Chancen der Digitalisierung?

In derer konsequenten Umsetzung. Ich habe in früheren Positionen vielfach erlebt, dass der Mut für durchgängig digitale Lösungen fehlt. Mein Lieblingsbeispiel ist der digitale Rechnungseingang. Papier-Rechnungen werden aufwändig gescannt und teils manuell korrigiert, damit diese in einem Workflow durch dieFachabteilungen bearbeitet und freigegeben werden können. Würde man stattdessen den gesamten Prozess betrachten und die Bestellungen digitalisieren, müssten wohlmehr als 95% aller Rechnungen gar nicht mehr kontrolliert werden, da diese durch das System bewertet und freigegeben werden könnten.

Für welche Angebote wünschst du dir (dringend) eine digitale Lösung?

Einkomplett digitales Anmeldeformular für den Ferienhort der Schule.

Was sind deines Erachtens die grössten Herausforderungen im Zusammenhang mit derDigitalisierung und was benötigt es, dass wir diese meistern können?

Der ganze Hype um AI blendet bei den Nutzerinnen und Nutzern meiner Meinung nach zwei Themen aus. Erstens stellt sich kaum wer noch die Frage «brauche ich das wirklich?» resp. «was will ich mit AI erreichen?». Hier würde ich mir wünschen, dass jeweils die richtigeTechnologie für den spezifischen Anwendungsfall genutzt wird. Zweitens müssen die Schweiz und unsere Partnerinnen und Partner in Europa die Datensouveränität neu denken. Die meisten AI- und Such-Anfragen landen auf AmerikanischenServern, die Antworten können je nach Einstellung der AI-Modelle weniger objektiv sein, als vielleicht erwartet. Ich würde vorschlagen, dass wir als Gesellschaft die digitale Handbremse lösen, einfache und wirkungsvolle Rahmenbedingungen fürdigitale Produkte schaffen, und neuen Technologien gegenüber offener und neugieriger auftreten. So können wir den grossen Big-Tech Firmen etwas Wind aus den Segeln nehmen und konkurrenzfähige Produkte am Markt etablieren.